Kapitel 8

8. Aljoscha, der Storch

Nach seinem Abenteuer mit der Müllerfamilie war Eugen Balduin Munkelpietz lange Zeit, weite Strecken marschiert. Eine Woche war er nun schon wieder unterwegs, aber immer noch musste er sehr oft an den kleinen Marcel denken. Er war über Äcker und Wiesen gegangen, war langen sandigen Straßen gefolgt und hatte einige Wälder durchquert.

Die Menschen hatte er gemieden. Nur mit einer alten Frau, die in einem Wald Holz sammelte hatte er ein kurzes Gespräch geführt. Der Müller hatte ihm beim Abschied von einer großen Stadt erzählt, die am Meer liegen sollte. Eugen Balduin Munkelpietz hatte das Meer noch nie gesehen und nun war er neugierig geworden. Aber er hatte sich den Weg dorthin viel kürzer vorgestellt. Seine kleinen Wichtelfüße waren wund gelaufen und schmerzten entsetzlich. Gestern war es so schlimm gewesen, dass er kaum mehr als zwanzig Kilometer geschafft hatte, wahrlich keine Meisterleistung! ,,Ach was muss ich mich doch quälen, bei meiner Wanderschaft,“ sagte er immer wieder zu sich selbst.

Nach einer weiteren Stunde, strammen Marschierens kam er an einen See, der so groß war, dass man das gegenüberliegende Ufer nicht sehen konnte. ,,Das muss das große Meer sein, rief er aus. Das Meer von dem mir der Müller erzählt hat!“ Er freute sich, denn nun konnte ja auch die große Stadt nicht mehr sehr fern sein. Plötzlich hörte er jemanden lachen.

,,Haha, das Meer. Er glaubt er sei am Meer!“ Der Wichtel sah sich um und bemerkte einen seltsamen, großen Vogel, der auf einer grünen Wiese, hinter einer Hagebuttenhecke stand. ,,Wer bist du und warum lachst du mich aus?“ fragte der Wichtel. Der große Vogel musterte den Wichtel und kam auf seinen dünnen Beinen etwas näher. ,,Ich bin Aljoscha der Storch und lebe hier, jedenfalls das halbe Jahr über, wenn es warm und sonnig ist. Ich musste über dich lachen, weil du diesen See hier für das Meer gehalten hast.“ Er lachte wieder. ,,Dabei weiß doch jedes Kind, dass das Meer viel größer, viel gewaltiger ist. Dies hier, ist nur der bleiche See. Er ist zwar groß, aber im Vergleich zum Meer, ist dieser See nur eine Regenpfütze!"

,,Ich war noch nie am Meer," sagte der Wichtel. Er war nun ein wenig zornig geworden, er mochte es nicht sonderlich wenn jemand über ihn lachte. Der Storch war unterdessen noch etwas näher gekommen und schnappte nach der roten Zipfelmütze des Wichtels. ,,Ha, du bist ein Zwerg, nicht wahr! Ich habe schon einmal einen von Euresgleichen getroffen!“ Eugen Balduin Munkelpietz war nun völlig entrüstet. ,,Nein, ich bin kein Zwerg. Ich bin ein Wichtelmännchen, damit du es weißt. Und das eine sage ich dir auch gleich, lass bloß meine Zipfelmütze in Ruhe!“
Der Storch lachte wieder. ,,Haha, ein Wichtelmännchen. Ein Wichtelmännchen, das glaubt am Meer zu sein!“

Dann wurde er freundlicher und ging wieder ein wenig auf Abstand.,,Du musst nämlich wissen Wichtelmännchen, ich war schon oft am Meer. Jedes Jahr im Herbst mache ich mich auf eine weite Reise, die mich in ein viele tausend Kilometer entferntes Land führt. Und dabei fliege ich auch über das große Meer. Bei einer meiner Reisen traf ich auch auf einen Zwerg, kaum größer als du!“ Der Wichtel hatte sich nun wieder ein wenig beruhigt. Vielleicht hatte der Vogel ja wirklich Recht. ,,Und du warst wirklich schon am Meer?“
,,Sicherlich, warum sollte ich dich belügen? Das Meer liegt immer geradeaus. Du musst noch zirka zehn Tage lang marschieren, wenn du es erreichen willst.“

„Zehn Tage!“ Dem Wichtel wurde fast schwarz vor Augen. Das würden seine Füße kaum mitmachen. ,,Und du sagst, dass du am Meer einen Wichtel getroffen hast!“

Der Storch nickte. ,,Ja einen Zwerg, nicht viel größer als du. Und er hatte einen seltsamen Namen. Knopselnase oder Knipsel? Ach ich weiß es nicht mehr genau. Aber er wohnt in der Nähe des Leuchtturmes.“ ,,Du meinst bestimmt den Zwerg “ Knollennase “ . Hatte er einen langen, grauen Bart und eine grüne Mütze auf dem Kopf?“ ,,Ich glaube schon ,“ sagte der Storch.

Der kleine Wichtel tanzte und warf seine Zipfelmütze in die Luft. ,,Das ist ja wunderbar, das ist ja großartig und fabelhaft. Knollennase kenne ich schon so lang ich denken kann. Danke Storch, vielen, vielen Dank!“ Der Storch nickte wiederum. Er verstand das ganze nicht so recht. Dann überlegte er einen Moment und sagte leise. ,,Wenn du willst Wichtelmännchen, dann kann ich dich zum Meer fliegen. Du scheinst mir nicht allzu schwer zu sein! Du könntest bequem auf meinem Rücken Platz nehmen. Wir würden zirka vier Stunden für die Strecke benötigen.“
Der Wichtel schüttelte den Kopf. Fliegen war wohl nicht seine Sache. Er hatte Höhenangst und ihm wurde zumeist schon schlecht, wenn er daheim im Teufelswald auf einen Baum kletterte. ,,Danke, für dein Angebot! Aber ich glaube ich möchte nicht fliegen, ich befürchte ich habe zuviel Angst!“

„Du kannst es dir ja noch mal überlegen. Ich bin morgen auch wieder hier. Aber jetzt musst du mich entschuldigen, denn ich muss noch ein paar Frösche zum Abendessen fangen!“ Der Wichtel verabschiedete sich von Aljoscha und versprach sich das Ganze noch einmal zu überlegen. Dann suchte er sich in einem kleinen Hain, der in der Nähe des Sees lag einen Schlafplatz für die Nacht. Er aß noch ein wenig und setzte sich unter eine Birke um nachzudenken. Bald darauf wurde er müde und schlief ein. In dieser Nacht träumte Eugen Balduin Munkelpietz zum ersten Mal seit langer Zeit wieder vom Teufelswald. Er träumte von Frieden, Freundschaft und Gemeinschaft und davon, dass er mit seinen Freunden ein großes Fest feierte.
Über ihn im Baumwipfel der Birke, saß ein schwarzer, alter Rabe. Er schwieg und sah den schlafenden Wichtel nur an. Er war dem Wichtel lange schon gefolgt. Zwar hatte er ihn das eine oder andere Mal aus den Augen verloren, aber nun hatte er ihn wiedergefunden. Bald sollte seine große Stunde schlagen, Gorks große Stunde! Dann würde es den Zwergen und Wichteln endgültig an den Kragen gehen.

Am nächsten Morgen war Eugen Balduin Munkelpietz lange Zeit am Ufer des Sees entlanggeschlendert. Immer wieder fragte er sich, ob er das Angebot des Storches annehmen sollte. Dann nahm er all seinen Mut zusammen und ging hinüber zur Wiese, wo er am gestrigen Tag den Storch getroffen hatte. Der Wichtel hatte Glück, Aljoscha war schon dort und stakste auf seinen dünnen Beinen durch das Gras. ,,Ich habe mich entschieden Storch, rief ihm der Wichtel zu. Wenn dein Angebot noch steht, dann würde ich gern mit dir an das große Meer fliegen. Dorthin, wo du den Zwerg Knollennase getroffen hast!“

Aljoscha freute sich. Gern war er bereit dem Wichtel zu helfen. ,,Wir können in einer Stunde abfliegen. Ich muss nur noch meiner Gattin Bescheid sagen. Hol doch schon mal dein Gepäck!“ Darauf erhob er sich mit großem Schwingenschlag in die Luft und flog fort.

,,Ach wie erhaben er durch die Lüfte fliegt,“ sagte der Wichtel und beeilte sich dann, sein Gepäck zu holen. Der Rucksack war schnell gepackt, aber er war ein wenig schwerer geworden seit sich die zweihundert Silberstücke des Gutsherrn darin befanden. ,,Hoffentlich bin ich für den Storch nicht zu schwer,“ ging es dem Wichtelmännchen durch den Kopf.´Eine Stunde später stand er auf der Wiese und wartete darauf, dass der Storch zurückkehrte. Aber nirgends war er zu entdecken. ,,Er wird mich doch nicht im Stich lassen?“ Aber dann entdeckte er ihn doch hoch am Himmel und kurze Zeit später war Aljoscha dicht neben dem Wichtel gelandet. ,,Ich hoffe du hast nicht allzu lange warten müssen, aber ich musste noch ein paar fette Frösche fangen, sonst hätte mich meine Frau nicht fortgelassen!“

Der Wichtel schüttelte den Kopf.

,Nein, bin auch gerade erst gekommen.“

Aljoscha musterte das Wichtelmännchen und dessen Gepäck. Dann begab er sich tief in die Storchenknie.

,,Steig auf, wir wollen keine Zeit verlieren!“

Eugen Balduin Munkelpietz schluckte noch einmal, denn plötzlich hatte er das Gefühl, dass seine Kehle ganz ausgetrocknet war. Aber er nahm all seinen Mut zusammen und kletterte auf den Rücken des Storches. Dieser ächzte und stöhnte ein wenig, denn er hatte sich den Wichtel doch leichter vorgestellt.

,,Halt dich gut fest, aber reiß mir nicht die Federn aus,“ rief der Storch dem Wichtel zu.

Dann breitete der die Flügel aus, lief so schnell er konnte los und erhob sich mühsam in die Lüfte. Der Wichtel klammerte sich um den Hals des Storches. Er spürte wie sich ihm der Magen umdrehte. Nur gut dass er nichts zum Mittag gegessen hatte.

Immer höher stieg der Storch in die Luft auf und der Wichtel sah den Boden unter sich immer kleiner werden. Nach einer Weile sah er den See, den Wald und das Land unter sich nur noch als bunte Farbpalette.

„Und, wie findest du es?“

,,Aufregend!“

Sie flogen weiter und weiter. Die Landschaft zog unter ihnen vorbei. Dann erblickte der Wichtel eine riesige dunkelblaue Fläche.

,,Siehst du das Meer?“ fragte der Storch.

,,Ja, schrie der Wichtel und du hattest recht, es sieht gewaltig aus!“

Eine Stunde später überflogen sie eine große Stadt. Nie zuvor hatte der Wichtel so viele Häuser auf einem Haufen gesehen. Für einen Moment wurde er unvorsichtig und beugte sich tief nach unten um besser sehen zu können. Dabei verlor er den Halt und stürzte vom Rücken des Storches. Aber Aljoscha reagierte geistesgegenwärtig und bekam ihn mit seinem Storchschnabel gerade noch am Rucksack zu packen. Mit dem Wichtelmännchen im Schnabel flog er nun recht tief über die Stadt. Einige Kinder, die dort unten in den Straßen der Stadt spielten, entdeckten das seltsame Paar hoch oben in der Luft und riefen:
,,Schaut mal, da fliegt der Klapperstorch und er hält ein Baby in seinem Schnabel!“

Kurze Zeit später hatten Storch und Wichtel den Erdboden wieder erreicht.
Der Storch ließ den Wichtel auf den Boden fallen.

,,Das war sehr unvorsichtig von dir, schimpfte er. Beinahe wärst du abgestürzt!“

Der Wichtel hatte Tränen in den Augen.

,,Ja, ich weiß. Es tut mir auch leid, das ich nicht aufgepasst habe! Danke das du mich festgehalten hast. Du hast mir mein Leben gerettet!“

,,Ach was! Aljoscha klapperte mit dem Schnabel. Hauptsache ist doch, das alles noch mal gut ausgegangen ist.“

Eugen Balduin Munkelpietz war nun wieder aufgestanden. Tief atmete er die frische Meeresluft ein. Alles roch hier anders, salzig und würzig. In der Ferne konnte er einen großen Turm erblicken.

,,So, sagte der Storch. Jetzt bist du am Meer! Riechst du die gute Luft, spürst du den Wind, hörst du das Rauschen der Meereswogen?“

,,Ja und ich finde alles großartig.“

„Dort hinten der große Turm, das ist der Leuchtturm! Dort habe ich damals deinen Zwergenfreund getroffen. Er lebt dort in einer kleinen Hütte. Aber jetzt muss ich zurückfliegen, meine Frau erwartet mich noch vor Einbruch der Nacht zurück in unserem Storchennest. Ich wünsche dir auf jeden Fall alles Gute und vielleicht sehen wir uns ja irgendwann mal wieder!“

,,Ja Aljoscha, fliege nur und alles Gute auf deiner Heimreise. Grüße auch deine Frau recht herzlich von mir.“

Die beiden verabschiedeten sich noch mal und Eugen Balduin Munkelpietz sah dem Storch noch lange nach, wie er als immer kleiner werdender Punkt am Horizont verschwand. Dann machte er sich auf den Weg zu seinem alten Freund Knollennase. Nach fünf Minuten hatte er die kleine Hütte des Zwerges, die ganz nahe am Leuchtturm stand erreicht, aber so sehr er auch nach Knollennase rief, niemand meldete sich.

,,He Knollennase, alter Freund, nun melde dich doch schon!“

Er bekam keine Antwort, also beschloss er zu warten, irgendwann musste der Zwerg ja wieder auftauchen, falls Aljoscha sich nicht geirrt hatte. Es wurde dunkel und der Leuchtturmwärter hatte das Licht des Leuchtturmes entfacht. Mit hellem Schein strahlte es weit hinaus auf das offene Meer. Der Zwerg war immer noch nicht zurückgekehrt. Eugen Balduin Munkelpietz war nun recht ungeduldig geworden. Die Brandung des Meeres und das Geschrei einiger Möwen waren das einzige, was der Wichtel noch vernahm. Er gähnte herzhaft.
Plötzlich sah er, wie aus der Dunkelheit eine Gestalt auftauchte. Er wollte sich gerade verstecken, da bemerkte er im Schein des Leuchtturmes, das die Gestalt eine grüne Zipfelmütze auf dem Kopf trug. Außerdem hielt die Gestalt eine kleine Laterne in der Hand.

,,Knollennase, ach Knollennase. Da bist du ja endlich!“

Er lief auf die Gestalt mit der Zipfelmütze zu und die Gestalt war sehr überrascht.

,,Holla, Hopsa - sa. Wer bist denn du?“

,,Ach Knollennase, erkennst du mich denn nicht? Ich bin es doch, der Eugen Balduin Munkelpietz! Weißt du nicht mehr, damals im Teufelswald?“

Knollennase war bei dem Namen Munkelpietz hellwach geworden. Er hielt dem Wichtel die Laterne ins Gesicht um ihn genauer zu betrachten. Dann fiel er dem Wichtel in die Arme.

,,Tatsächlich! Du bist es wirklich, wir haben uns ja seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen. Aber ich muss schon sagen, du hast dich kaum verändert!“

Er nahm den Wichtel an die Hand und führte ihn zu seiner Hütte.

,,Aber sag nur Munkelpietz, wie hast du mich hier finden können?“

,,Ach Knollennase, das ist eine lange Geschichte.“

Die beiden machten es sich im Wohnzimmer der Zwergenhütte gemütlich, tranken Tee und aßen zu Abend. Dann musste der Wichtel dem Zwerg seine ganze abenteuerliche Geschichte erzählen. Es wurde recht spät, aber Knollennase lauschte dem Wichtel ohne Unterbrechung. Als der Wichtel seine Geschichte beendet hatte, nahm Knollennase seine grüne Zipfelmütze vom Kopf und fuhr sich durch das schon leicht angegraute Haar. Vieles von dem, was der Wichtel erzählt hatte, klang doch recht abenteuerlich.

,,Und du bist tatsächlich auf einem Storch hierher geflogen?“

,,Ja Knollennase, so wahr ich hier vor dir stehe!“

,,Das Gork aus dem Teufelswald verschwunden ist, das habe ich gewusst. Viele Jahre ist das schon her. Aber glaube nicht, lieber Munkelpietz, dass er den Zwergen und Wichteln nicht mehr nachjagt. Nein, er ist immer noch auf der Suche nach ihnen. Einen nach dem anderen holt er sich und du im Teufelswald hast von allem nichts mitbekommen!“

Eugen Balduin Munkelpietz wollte nicht glauben, was er da hörte.

,,Einen nach dem anderen holt er sich, sagst du Knollennase? Aber warum? Wir sind doch gar keine Gefahr für ihn.“

Der Zwerg nahm noch einen Schluck aus seiner Teetasse und schenkte dann dem Wichtel und sich selbst nach.

,,Nein, wir sind keine Gefahr für ihn. Aber er hasst uns trotzdem wie die Pest. Auch mich hätte er vor ein paar Jahren beinahe gefangen. Ich konnte ihm gerade noch durch eine schlaue List entkommen, aber viele hatten dieses Glück nicht.“

Der Wichtel schüttelte sich.

,,Aber was macht er mit ihnen, tötet er sie, oder sperrt er sie ein?“

Knollennase zuckte mit den Schultern.

,,Ich weiß nicht was er mit ihnen macht, aber es wird sicherlich nichts Gutes sein. Man munkelt manchmal käme er auch als Rabe verwandelt, bei dunkler Nacht und niemand könne ihm entrinnen.“

Nun bekam der Wichtel eine Gänsehaut.

,,Als Rabe, sagst du Knollennase. Bist du sicher? Ich habe in der letzten Nacht, bevor ich aus dem Teufelswald aufbrach von einem Raben geträumt. Von einem alten, schwarzen Raben, mit messerscharfen, blutigen Krallen.“

Knollennase und Munkelpietz sahen sich nun lange an. Beide schwiegen und es war so ruhig geworden, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören können.
Eugen Balduin Munkelpietz nahm das Gespräch als erster wieder auf.

,,Wie viele von uns leben noch in Freiheit, wen hat Gork noch nicht erwischt, außer uns beiden?“

Knollennase zuckte abermals mit den Schultern.

,,Ich weiß nicht, seit unser Flucht damals aus dem Teufelswald ist alles anders geworden. Damals haben wir uns in alle Winde aufgeteilt, wie du wohl noch weißt!“

,,Aber es muss doch noch mehr geben, als uns beiden. Wir waren damals doch weit über hundert Zwerge und Wichtel, die aus dem Teufelswald fliehen konnten.“

Der Wichtel war nun maßlos enttäuscht. Sollte seine Suche am Ende umsonst gewesen sein? Sollten all die vielen Kilometer, die er gewandert war umsonst gewesen sein? Sollte es wirklich keine Teufelswaldzwerge und Wichtel mehr geben, außer ihn und Zwerg Knollennase?

Knollennase räusperte sich.

,,Kurz bevor ich hierher an das Meer geflüchtet bin, hatte ich Emil und Raane Bartenbiel besucht. Sie lebten damals in der Nähe des großen Hexenberges im Lande Tamarkant. Vielleicht sind sie noch dort, vielleicht hat Gork sie noch nicht entdeckt!“

,,Ich habe noch nie von diesem Berg gehört, auch nicht von einem Land, namens Tamarkant. Wo liegt es?“

,,Ach Munkelpietz, Tamarkant und der Hexenberg liegen eine Monatsreise von hier entfernt, Richtung Osten. Es ist eine strapaziöse Reise dorthin, ich kann dir nur abraten, dich dorthin zu begeben.“

,, Ja aber. . . !“

,,Nichts aber, es ist spät geworden! Lass uns schlafen gehen. Du kannst es dir hier auf dem Sofa gemütlich machen und morgen in aller Frühe, sehen wir dann weiter.“
Nach seinem Abenteuer mit der Müllerfamilie war Eugen Balduin Munkelpietz lange Zeit, weite Strecken marschiert. Eine Woche war er nun schon wieder unterwegs, aber immer noch musste er sehr oft an den kleinen Marcel denken. Er war über Äcker und Wiesen gegangen, war langen sandigen Straßen gefolgt und hatte einige Wälder durchquert.

Die Menschen hatte er gemieden. Nur mit einer alten Frau, die in einem Wald Holz sammelte hatte er ein kurzes Gespräch geführt. Der Müller hatte ihm beim Abschied von einer großen Stadt erzählt, die am Meer liegen sollte. Eugen Balduin Munkelpietz hatte das Meer noch nie gesehen und nun war er neugierig geworden. Aber er hatte sich den Weg dorthin viel kürzer vorgestellt. Seine kleinen Wichtelfüße waren wund gelaufen und schmerzten entsetzlich. Gestern
war es so schlimm gewesen, dass er kaum mehr als dreißig Kilometer geschafft hatte, wahrlich keine Meisterleistung!

,,Ach was muss ich mich doch quälen, bei meiner Wanderschaft,“ sagte er immer wieder zu sich selbst.

Nach einer weiteren Stunde, strammen Marschierens kam er an einen See, der so groß war, dass man das gegenüberliegende Ufer nicht sehen konnte.

,,Das muss das große Meer sein, rief er aus. Das Meer von dem mir der Müller erzählt hat!“

Er freute sich, denn nun konnte ja auch die große Stadt nicht mehr sehr fern sein. Plötzlich hörte er jemanden lachen.

,,Haha, das Meer. Er glaubt er sei am Meer!“

Der Wichtel sah sich um und bemerkte einen seltsamen, großen Vogel, der auf einer grünen Wiese, hinter einer Hagebuttenhecke stand.

,,Wer bist du und warum lachst du mich aus?“ fragte der Wichtel.

Der große Vogel musterte den Wichtel und kam auf seinen dünnen Beinen etwas näher.

,,Ich bin Aljoscha der Storch und lebe hier, jedenfalls das halbe Jahr über, wenn es warm und sonnig ist. Ich musste über dich lachen, weil du diesen See hier für das Meer gehalten hast.“

Er lachte wieder.

,,Dabei weiß doch jedes Kind, dass das Meer viel größer, viel gewaltiger ist. Dies hier, ist nur der bleiche See. Er ist zwar groß, aber im Vergleich zum Meer, ist dieser See nur eine Regenpfütze!“

,, Ich war noch nie am Meer, ‘’ sagte der Wichtel. Er war nun ein wenig zornig geworden, er mochte es nicht sonderlich wenn jemand über ihn lachte. Der Storch war unterdessen noch etwas näher gekommen und schnappte nach der roten Zipfelmütze des Wichtels.

,,Ha, du bist ein Zwerg, nicht wahr! Ich habe schon einmal einen von Euresgleichen getroffen!“

Eugen Balduin Munkelpietz war nun völlig entrüstet.

,,Nein, ich bin kein Zwerg. Ich bin ein Wichtelmännchen, damit du es weißt. Und das eine sage ich dir auch gleich, lass bloß meine Zipfelmütze in Ruhe!“

Der Storch lachte wieder.

,,Haha, ein Wichtelmännchen. Ein Wichtelmännchen, das glaubt am Meer zu sein!“

Dann wurde er freundlicher und ging wieder ein wenig auf Abstand.

,,Du musst nämlich wissen Wichtelmännchen, ich war schon oft am Meer. Jedes Jahr im Herbst mache ich mich auf eine weite Reise, die mich in ein viele tausend Kilometer entferntes Land führt. Und dabei fliege ich auch über das große Meer. Bei einer meiner Reisen traf ich auch auf einen Zwerg, kaum größer als du!“

Der Wichtel hatte sich nun wieder ein wenig beruhigt. Vielleicht hatte der Vogel ja wirklich Recht.

,,Und du warst wirklich schon am Meer?“

,,Sicherlich, warum sollte ich dich belügen? Das Meer liegt immer geradeaus. Du musst noch zirka zehn Tage lang marschieren, wenn du es erreichen willst.“

„Zehn Tage!“

Dem Wichtel wurde fast schwarz vor Augen. Das würden seine Füße kaum mitmachen.

,,Und du sagst, dass du am Meer einen Wichtel getroffen hast!“

Der Storch nickte.

,,Ja einen Zwerg, nicht viel größer als du. Und er hatte einen seltsamen Namen. Knopselnase oder Knipsel? Ach ich weiß es nicht mehr genau. Aber er wohnt in der Nähe des Leuchtturmes.“

,,Du meinst bestimmt den Zwerg “ Knollennase “ . Hatte er einen langen, grauen Bart und eine grüne Mütze auf dem Kopf?“

,, Ich glaube schon ,“ sagte der Storch.

Der kleine Wichtel tanzte und warf seine Zipfelmütze in die Luft.

,,Das ist ja wunderbar, das ist ja großartig und fabelhaft. Knollennase kenne ich schon so lang ich denken kann. Danke Storch, vielen, vielen Dank!“

Der Storch nickte wiederum. Er verstand das ganze nicht so recht. Dann überlegte er einen Moment und sagte leise.

,,Wenn du willst Wichtelmännchen, dann kann ich dich zum Meer fliegen. Du scheinst mir nicht allzu schwer zu sein! Du könntest bequem auf meinem Rücken Platz nehmen. Wir würden zirka vier Stunden für die Strecke benötigen.“

Der Wichtel schüttelte den Kopf. Fliegen war wohl nicht seine Sache. Er hatte Höhenangst und ihm wurde zumeist schon schlecht, wenn er daheim im Teufelswald auf einen Baum kletterte.

,,Danke, für dein Angebot! Aber ich glaube ich möchte nicht fliegen, ich befürchte ich habe zuviel Angst!“

„Du kannst es dir ja noch mal überlegen. Ich bin morgen auch wieder hier. Aber jetzt musst du mich entschuldigen, denn ich muss noch ein paar Frösche zum Abendessen fangen!“

Der Wichtel verabschiedete sich von Aljoscha und versprach sich das Ganze noch einmal zu überlegen. Dann suchte er sich in einem kleinen Hain, der in der Nähe des Sees lag einen Schlafplatz für die Nacht. Er aß noch ein wenig und setzte sich unter eine Birke um nachzudenken. Bald darauf wurde er müde und schlief ein.

In dieser Nacht träumte Eugen Balduin Munkelpietz zum ersten Mal seit langer Zeit wieder vom Teufelswald. Er träumte von Frieden, Freundschaft und Gemeinschaft und davon, dass er mit seinen Freunden ein großes Fest feierte.
Über ihn im Baumwipfel der Birke, saß ein schwarzer, alter Rabe. Er schwieg und sah den schlafenden Wichtel nur an. Er war dem Wichtel lange schon gefolgt. Zwar hatte er ihn das eine oder andere Mal aus den Augen verloren, aber nun hatte er ihn wiedergefunden. Bald sollte seine große Stunde schlagen, Gorks große Stunde! Dann würde es den Zwergen und Wichteln endgültig an den Kragen gehen.

Am nächsten Morgen war Eugen Balduin Munkelpietz lange Zeit am Ufer des Sees entlanggeschlendert. Immer wieder fragte er sich, ob er das Angebot des Storches annehmen sollte. Dann nahm er all seinen Mut zusammen und ging hinüber zur Wiese, wo er am gestrigen Tag den Storch getroffen hatte. Der Wichtel hatte Glück, Aljoscha war schon dort und stakste auf seinen dünnen Beinen durch das Gras.

,,Ich habe mich entschieden Storch, rief ihm der Wichtel zu. Wenn dein Angebot noch steht, dann würde ich gern mit dir an das große Meer fliegen. Dorthin, wo du den Zwerg Knollennase getroffen hast!“

Aljoscha freute sich. Gern war er bereit dem Wichtel zu helfen.

,, Wir können in einer Stunde abfliegen. Ich muss nur noch meiner Gattin Bescheid sagen. Hol doch schon mal dein Gepäck!“

Darauf erhob er sich mit großem Schwingenschlag in die Luft und flog fort.

,,Ach wie erhaben er durch die Lüfte fliegt,“ sagte der Wichtel und beeilte sich dann, sein Gepäck zu holen.

Der Rucksack war schnell gepackt, aber er war ein wenig schwerer geworden seit sich die zweihundert Silberstücke des Gutsherrn darin befanden.

,,Hoffentlich bin ich für den Storch nicht zu schwer,“ ging es dem Wichtelmännchen durch den Kopf.

Eine Stunde später stand er auf der Wiese und wartete darauf, dass der Storch zurückkehrte. Aber nirgends war er zu entdecken.

,,Er wird mich doch nicht im Stich lassen?“

Aber dann entdeckte er ihn doch hoch am Himmel und kurze Zeit später war Aljoscha dicht neben dem Wichtel gelandet.

,,Ich hoffe du hast nicht allzu lange warten müssen, aber ich musste noch ein paar fette Frösche fangen, sonst hätte mich meine Frau nicht fortgelassen!“

Der Wichtel schüttelte den Kopf.

,,Nein, bin auch gerade erst gekommen.“

Aljoscha musterte das Wichtelmännchen und dessen Gepäck. Dann begab er sich tief in die Storchenknie.

,,Steig auf, wir wollen keine Zeit verlieren!“

Eugen Balduin Munkelpietz schluckte noch einmal, denn plötzlich hatte er das Gefühl, dass seine Kehle ganz ausgetrocknet war. Aber er nahm all seinen Mut zusammen und kletterte auf den Rücken des Storches. Dieser ächzte und stöhnte ein wenig, denn er hatte sich den Wichtel doch leichter vorgestellt.

,,Halt dich gut fest, aber reiß mir nicht die Federn aus,“ rief der Storch dem Wichtel zu.

Dann breitete der die Flügel aus, lief so schnell er konnte los und erhob sich mühsam in die Lüfte. Der Wichtel klammerte sich um den Hals des Storches. Er spürte wie sich ihm der Magen umdrehte. Nur gut dass er nichts zum Mittag gegessen hatte.

Immer höher stieg der Storch in die Luft auf und der Wichtel sah den Boden unter sich immer kleiner werden. Nach einer Weile sah er den See, den Wald und das Land unter sich nur noch als bunte Farbpalette.

„Und, wie findest du es?“

,,Aufregend!“

Sie flogen weiter und weiter. Die Landschaft zog unter ihnen vorbei. Dann erblickte der Wichtel eine riesige dunkelblaue Fläche.

,,Siehst du das Meer?“ fragte der Storch.

,,Ja, schrie der Wichtel und du hattest recht, es sieht gewaltig aus!“

Eine Stunde später überflogen sie eine große Stadt. Nie zuvor hatte der Wichtel so viele Häuser auf einem Haufen gesehen. Für einen Moment wurde er unvorsichtig und beugte sich tief nach unten um besser sehen zu können. Dabei verlor er den Halt und stürzte vom Rücken des Storches. Aber Aljoscha reagierte geistesgegenwärtig und bekam ihn mit seinem Storchschnabel gerade noch am Rucksack zu packen. Mit dem Wichtelmännchen im Schnabel flog er nun recht tief über die Stadt. Einige Kinder, die dort unten in den Straßen der Stadt spielten, entdeckten das seltsame Paar hoch oben in der Luft und riefen:
,,Schaut mal, da fliegt der Klapperstorch und er hält ein Baby in seinem Schnabel!“

Kurze Zeit später hatten Storch und Wichtel den Erdboden wieder erreicht.
Der Storch ließ den Wichtel auf den Boden fallen.

,,Das war sehr unvorsichtig von dir, schimpfte er. Beinahe wärst du abgestürzt!“

Der Wichtel hatte Tränen in den Augen.

,,Ja, ich weiß. Es tut mir auch leid, das ich nicht aufgepasst habe! Danke das du mich festgehalten hast. Du hast mir mein Leben gerettet!“

,,Ach was! Aljoscha klapperte mit dem Schnabel. Hauptsache ist doch, das alles noch mal gut ausgegangen ist.“

Eugen Balduin Munkelpietz war nun wieder aufgestanden. Tief atmete er die frische Meeresluft ein. Alles roch hier anders, salzig und würzig. In der Ferne konnte er einen großen Turm erblicken.

,,So, sagte der Storch. Jetzt bist du am Meer! Riechst du die gute Luft, spürst du den Wind, hörst du das Rauschen der Meereswogen?“

,,Ja und ich finde alles großartig.“

„Dort hinten der große Turm, das ist der Leuchtturm! Dort habe ich damals deinen Zwergenfreund getroffen. Er lebt dort in einer kleinen Hütte. Aber jetzt muss ich zurückfliegen, meine Frau erwartet mich noch vor Einbruch der Nacht zurück in unserem Storchennest. Ich wünsche dir auf jeden Fall alles Gute und vielleicht sehen wir uns ja irgendwann mal wieder!“

,,Ja Aljoscha, fliege nur und alles Gute auf deiner Heimreise. Grüße auch deine Frau recht herzlich von mir.“

Die beiden verabschiedeten sich noch mal und Eugen Balduin Munkelpietz sah dem Storch noch lange nach, wie er als immer kleiner werdender Punkt am Horizont verschwand. Dann machte er sich auf den Weg zu seinem alten Freund Knollennase. Nach fünf Minuten hatte er die kleine Hütte des Zwerges, die ganz nahe am Leuchtturm stand erreicht, aber so sehr er auch nach Knollennase rief, niemand meldete sich.

,,He Knollennase, alter Freund, nun melde dich doch schon!“

Er bekam keine Antwort, also beschloss er zu warten, irgendwann musste der Zwerg ja wieder auftauchen, falls Aljoscha sich nicht geirrt hatte. Es wurde dunkel und der Leuchtturmwärter hatte das Licht des Leuchtturmes entfacht. Mit hellem Schein strahlte es weit hinaus auf das offene Meer. Der Zwerg war immer noch nicht zurückgekehrt. Eugen Balduin Munkelpietz war nun recht ungeduldig geworden. Die Brandung des Meeres und das Geschrei einiger Möwen waren das einzige, was der Wichtel noch vernahm. Er gähnte herzhaft.
Plötzlich sah er, wie aus der Dunkelheit eine Gestalt auftauchte. Er wollte sich gerade verstecken, da bemerkte er im Schein des Leuchtturmes, das die Gestalt eine grüne Zipfelmütze auf dem Kopf trug. Außerdem hielt die Gestalt eine kleine Laterne in der Hand.

,,Knollennase, ach Knollennase. Da bist du ja endlich!“

Er lief auf die Gestalt mit der Zipfelmütze zu und die Gestalt war sehr überrascht.

,,Holla, Hopsa - sa. Wer bist denn du?“

,,Ach Knollennase, erkennst du mich denn nicht? Ich bin es doch, der Eugen Balduin Munkelpietz! Weißt du nicht mehr, damals im Teufelswald?“

Knollennase war bei dem Namen Munkelpietz hellwach geworden. Er hielt dem Wichtel die Laterne ins Gesicht um ihn genauer zu betrachten. Dann fiel er dem Wichtel in die Arme.

,,Tatsächlich! Du bist es wirklich, wir haben uns ja seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen. Aber ich muss schon sagen, du hast dich kaum verändert!“

Er nahm den Wichtel an die Hand und führte ihn zu seiner Hütte.

,,Aber sag nur Munkelpietz, wie hast du mich hier finden können?“

,,Ach Knollennase, das ist eine lange Geschichte.“

Die beiden machten es sich im Wohnzimmer der Zwergenhütte gemütlich, tranken Tee und aßen zu Abend. Dann musste der Wichtel dem Zwerg seine ganze abenteuerliche Geschichte erzählen. Es wurde recht spät, aber Knollennase lauschte dem Wichtel ohne Unterbrechung. Als der Wichtel seine Geschichte beendet hatte, nahm Knollennase seine grüne Zipfelmütze vom Kopf und fuhr sich durch das schon leicht angegraute Haar. Vieles von dem, was der Wichtel erzählt hatte, klang doch recht abenteuerlich.

,,Und du bist tatsächlich auf einem Storch hierher geflogen?“

,,Ja Knollennase, so wahr ich hier vor dir stehe!“

,,Das Gork aus dem Teufelswald verschwunden ist, das habe ich gewusst. Viele Jahre ist das schon her. Aber glaube nicht, lieber Munkelpietz, dass er den Zwergen und Wichteln nicht mehr nachjagt. Nein, er ist immer noch auf der Suche nach ihnen. Einen nach dem anderen holt er sich und du im Teufelswald hast von allem nichts mitbekommen!“

Eugen Balduin Munkelpietz wollte nicht glauben, was er da hörte.

,,Einen nach dem anderen holt er sich, sagst du Knollennase? Aber warum? Wir sind doch gar keine Gefahr für ihn.“

Der Zwerg nahm noch einen Schluck aus seiner Teetasse und schenkte dann dem Wichtel und sich selbst nach.

,,Nein, wir sind keine Gefahr für ihn. Aber er hasst uns trotzdem wie die Pest. Auch mich hätte er vor ein paar Jahren beinahe gefangen. Ich konnte ihm gerade noch durch eine schlaue List entkommen, aber viele hatten dieses Glück nicht.“

Der Wichtel schüttelte sich.

,,Aber was macht er mit ihnen, tötet er sie, oder sperrt er sie ein?“

Knollennase zuckte mit den Schultern.

,,Ich weiß nicht was er mit ihnen macht, aber es wird sicherlich nichts Gutes sein. Man munkelt manchmal käme er auch als Rabe verwandelt, bei dunkler Nacht und niemand könne ihm entrinnen.“

Nun bekam der Wichtel eine Gänsehaut.

,,Als Rabe, sagst du Knollennase. Bist du sicher? Ich habe in der letzten Nacht, bevor ich aus dem Teufelswald aufbrach von einem Raben geträumt. Von einem alten, schwarzen Raben, mit messerscharfen, blutigen Krallen.“

Knollennase und Munkelpietz sahen sich nun lange an. Beide schwiegen und es war so ruhig geworden, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören können.
Eugen Balduin Munkelpietz nahm das Gespräch als erster wieder auf.

,,Wie viele von uns leben noch in Freiheit, wen hat Gork noch nicht erwischt, außer uns beiden?“

Knollennase zuckte abermals mit den Schultern.

,,Ich weiß nicht, seit unser Flucht damals aus dem Teufelswald ist alles anders geworden. Damals haben wir uns in alle Winde aufgeteilt, wie du wohl noch weißt!“

,,Aber es muss doch noch mehr geben, als uns beiden. Wir waren damals doch weit über hundert Zwerge und Wichtel, die aus dem Teufelswald fliehen konnten.“

Der Wichtel war nun maßlos enttäuscht. Sollte seine Suche am Ende umsonst gewesen sein? Sollten all die vielen Kilometer, die er gewandert war umsonst gewesen sein? Sollte es wirklich keine Teufelswaldzwerge und Wichtel mehr geben, außer ihn und Zwerg Knollennase?

Knollennase räusperte sich.

,,Kurz bevor ich hierher an das Meer geflüchtet bin, hatte ich Emil und Raane Bartenbiel besucht. Sie lebten damals in der Nähe des großen Hexenberges im Lande Tamarkant. Vielleicht sind sie noch dort, vielleicht hat Gork sie noch nicht entdeckt!“

,,Ich habe noch nie von diesem Berg gehört, auch nicht von einem Land, namens Tamarkant. Wo liegt es?“

,,Ach Munkelpietz, Tamarkant und der Hexenberg liegen eine Monatsreise von hier entfernt, Richtung Osten. Es ist eine strapaziöse Reise dorthin, ich kann dir nur abraten, dich dorthin zu begeben.“

,, Ja aber. . . !“

,,Nichts aber, es ist spät geworden! Lass uns schlafen gehen. Du kannst es dir hier auf dem Sofa gemütlich machen und morgen in aller Frühe, sehen wir dann weiter.“






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Munkelpietzgeschichten

Die Abenteuer des
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Eugen Balduin Munkelpietz

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