Kapitel 24


24. Schlacht der Entscheidung


Inzwischen war es wieder Nacht geworden. Immer noch lagen die Elfenkrieger in ihrem Versteck und warteten darauf, daß die Stunde der Entscheidung anrückte. In den frühen Morgenstunden wollte Balfagus Fiebelkorn den Angriff wagen. Knollennase und Munkelpietz zitterten vor Kälte und auch ein wenig, weil sie vor dem nächsten Tag Angst hatten.

Balfagus Fiebelkorn hatte lange mit ihnen gesprochen und ihnen erzählt, das die Elfen gegen jegliche Magie des Zauberers immun waren. Dann gab er ihnen eine kleine Flasche. ,,Hier trinkt das, sagte er. Mit diesem Trank, seid auch ihr gegen Gorks Zauber gefeit!“

Sie tranken den Trank, er war bitter und hatte einen üblen Nachgeschmack. Munkelpietz musste sich regelrecht überwinden um das Gebräu herunterzuschlucken. Dann schlief er noch ein wenig und wurde am frühen Morgen von Knollennase geweckt. ,,Es geht los!“ sagte der Zwerg.

Die Elfenkrieger waren nun kampfbereit und saßen bereits auf ihren Pferden. Balfagus gab den Befehl zu Angriff. Die Krieger ritten los. Nach einer halben Stunde waren sie in die Nähe der Burg gelangt und wurden von den Burgwächtern entdeckt. Diese schlugen Alarm und öffneten die Waffenkammern. Gork erschien auf den Burgzinnen und blickte auf die Angreifenden. ,,Es sind die Elfen,“ rief er immer wieder aus und war äußerst überrascht.

Schnell ließ er seine Trolle aufmarschieren, damit sie die Verteidigung der Burg übernahmen. Die Elfen griffen in drei Wellen an, ihre weißen Pferde sprangen mit Leichtigkeit über die Mauern der Burg und landeten dann im Burghof. Gork sah dem Schauspiel zu, er hatte sich inzwischen in einen der drei Türme seiner Burg zurückgezogen. Schnell waren die Elfen von ihren Pferden gesprungen und warfen sich den Trollen, die nun auf sie zustürmten entgegen. Knollennase und Munkelpietz befanden sich in der Mitte der Elfenreihen. Ein wilder Kampf entbrannte. Zuerst waren die Bogenschützen der Elfen in Stellung gegangen und beschossen die Trolle mit Pfeilen. Die ersten Trolle sanken tödlich getroffen zu Boden und die anderen Trolle zogen sich für einen Moment zurück. Dann aber nach einer Weile nahmen sie einen Gegenangriff vor. Sie hatten nun selbst Bogenschützen in Stellung gebracht, die im Schutz der Burgmauern auf die Elfen anlegten. Auf Befehl eines ihrer Anführer schossen sie ihre Pfeile ab und zahlreiche der Elfen, die ohne Deckung waren sanken getroffen zu Boden. Knollennase war inzwischen auf die Flanke der Elfenarmee gewichen und Munkelpietz folgte ihm. Ein paar grimmige Schwertkämpfer stürzten nun auf sie zu und wieder entbrannten Kampfhandlungen. Knollennase kämpfte mit großem Geschick und gab Munkelpietz so ein wenig Deckung. Nach und nach mischten sich immer mehr Elfen in den Schwertkampf ein und die Trolle wurden abermals zum Rückzug gezwungen.   

Gork hatte inzwischen den Zwerg und das Wichtelmännchen entdeckt und er hatte ein paar Zauberworte gemurmelt, um sie zu Stein zu verwandeln. Aber es klappte nicht, sie standen unter der Zaubermacht der Elfenkönigin.

Inzwischen hatte sich der Burghof rot gefärbt von dem Blut der Gefallenen und Verletzten. Balfagus Fiebelkorn hatte den leicht verletzten und kampfunfähigen Kriegern seiner Elfenarmee Befehl gegeben sich wieder in das Felsmassiv zurückzuziehen. Zahlreiche Elfen schwangen sich so auf ihre weißen Pferde und traten den Rückzug an. mit fortwährender Dauer des Kampfes gewannen die Trolle die Übermacht. Sie waren den Elfen von Anfang an, an Kampfesstärke überlegen gewesen. Und nun, wo es Mann gegen Mann ging waren sie deutlich im Vorteil. Knollennase kämpfte wie ein Wahnsinniger und hatte mittlerweile schon zehn Trolle mit seinem Schwert getötet, aber nun spürte auch er, wie ihm die Kräfte schwanden. Munkelpietz war mit seinem Schwert weniger gewandt, aber immerhin war er noch nicht verletzt worden. Nochmals versuchten sich die Bogenschützen der Elfen in Stellung zu bringen. Aber kurz bevor sie es geschafft hatten wurden viele von ihnen von den Pfeilen der Trolle durchbohrt.

Nun war auch Knollennase von einem Schwerthieb an der Schulter getroffen worden. Schmerzerfüllt schrie er auf und Munkelpietz eilte ihm zu Hilfe. Aber es war zu spät. Vier Trolle hatten den Verwundeten nun überwältigt und schleppten ihn fort. Gork hatte die Szene aus seinem Turm heraus beobachtet und lachte nun so fürchterlich laut, das dem Elfen beinahe die Ohren zersprangen. ,,Knollennase, ich werde dich in tausend Stücke zerschneiden,“ rief er aus.

Der Kampf ging weiter aber die Elfen waren nun mit ihren Kräften am Ende. Immer weiter wurden sie zurückgedrängt. Munkelpietz wurde das Schwert aus der Hand geschlagen und der Wichtel stürzte zu Boden. Dabei fiel ihm der Ring, den er damals von der kleinen Hexe Pia Pattlich geschenkt bekommen hatte aus der Tasche. Gerade wollten sich zwei Trolle auf den Wichtel stürzen, da kam Schope Repking ihm zu Hilfe. Er drängte die Trolle zurück und dem Wichtel gelang es wieder aufzustehen. Schnell hob er den Ring vom Boden auf und steckte ihn sich auf den Ringfinger seiner Hand. Er hatte den Ring beinahe vergessen gehabt, aber jetzt fiel ihm wieder ein, was Pia Pattlich damals gesagt hatte.

,,Solltest du irgendwann einmal in Schwierigkeiten stecken, dann streif dir diesen Ring über deinen Ringfinger, hatte die kleine Hexe zu ihm gesagt. Reibe an ihm und ich werde dann kommen und versuchen dir zu helfen!“ ,,Ja, das waren ihre Worte gewesen!“ Der Wichtel rieb an dem Ring und wünschte sie sich sehnlichst herbei. Inzwischen hatte Balfagus Fiebelkorn, den Rückzug befohlen und die Elfensoldaten drängten zu ihren Pferden. Auch Munkelpietz folgte ihnen. Mit zahlreichen Mühen verbunden, gelang es ihm auf das weiße Pferd zu klettern. Dann gab er dem Ross die Sporen und es sprang mit seinem Reiter geschwind über die Burgmauern und brachte ihn in Sicherheit.

Gork hatte die Schlacht gewonnen und den Angriff der Elfen abgewehrt. Er hatte zweihundertfünfzig seiner treuen Trolle verloren. Aber dafür hatte er nun Knollennase in seiner Gewalt und das war mehr als er erwartet hatte.

© Hansjürgen Katzer, 1997




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