Zivilcourage

Zivilcourage

Der Bus hielt an und ich stieg ein. Freundlich begrüßte mich der Busfahrer und ich nannte ihm mein Ziel. „Drei Euro, achtzig,“ murmelte er und ich legte ihm das passende Geld hin. Er tippte sich an seine, in die Jahre gekommene Prinz-Heinrich-Mütze. Ich setzte mich hin und der Bus fuhr alsbald an. Natürlich hatte ich meinen Mund- Nasenschutz in diesen Coronazeiten ordnungsgemäß aufgesetzt, blickte versonnen durch die Fensterscheiben, in die regengraue Landschaft und freute ich schon auf den Besich bei meiner Mutter in der nahen Stadt. Zwanzig Minuten würde die Fahrt ungefähr dauern.

An der nächsten Haltestelle stiegen zwei durchtrainierte, schwarzgekleidete ein. „Bitte die Masken aufsetzen,“ sagte der Busfahrer freundlich. Einer der beiden Männer warf ihm einen Geldschein hin. „Zweimal Goetheplatz. Er blickte den Fahrer mit finsterem Blick an. „Und ansonsten, einfach die Fresse halten, Alter!“ Der Busfahrer wollte etwas sagen, aber als ihm der zweite seine geballte Faust zeigte, fuhr er langsam wieder an.

Die beiden Männer setzten sich maskenlos mir gegenüber hin und beäugten mich. „Schau dir den schwarzen Gorilla an, hörte ich einen der beiden sagen. Die beiden flüsterten und machten sich über mich lustig. Das traf mich tief ins Mark und tat mir in der Seele weh. Was bildeten sich die beiden überhaupt ein? „Woher kommst du, Onkel Tom?“ raunte mir einer der beiden zu, zeigte mir ein spöttisches Grinsen und seine braungefärbten, schiefen Zähne und kam mir bedrohlich nahe.

„Aus Deutschland, wie du!“ gab ich ihm zur Antwort. Die beiden Männer lachten amüsiert. Der Bus hielt wieder an einer Haltestelle und ich überlegte kurz den Bus zu verlassen und einfach auszusteigen, um dann mit dem nächsten Bus wieder weiterzufahren. Eine ältere Dame und zwei junge Mädchen, sechzehn, siebzehn Jahre vielleicht stiege ein. Zahlen ihr Ticket und setzten sich. Alle drei trugen den vorgeschriebenen Mund- Nasenschutz und setzen sich. Der Bus fuhr wieder an.

„Und wo ist deine Mama geboren, Onkel Tom?“ wieder beleidigte mich einer der beiden Männer. Der Bus verlangsamte seine Fahrt. „Wenn hier nicht augenblicklich Ruhe ist, werfe ich euch beiden aus dem Bus.“ Die Stimme des Busfahrers klang sehr energisch. „Halt die Fresse, du Penner und konzentriere dich lieber aufs fahren. Einer der beiden war aufgesprungen und bewegte sich in Richtung des Busfahrers. Der Busfahrer trat nun in die Bremse. „Du sollst weiterfahren, Alter. Kapierst du das nicht?“. Der Mann baute sich nun vor dem Fahrerstand auf. „Nichts da ihr steigt jetzt aus!“ Ich wollte mich erheben, aber mein Gegenüber drückte mich unsanft in den Sitz. „Du mischt dich nicht ein, Onkel Tom!“

Ich zitterte, wagte kaum zu atmen. „Aber ich misch mich ein.“ Eines der beiden Mädchen war nun aufgestanden. „Was willst du, Pissnelke!“ Er musterte das Mädchen und baute sich langsam vor ihr auf. „Lass den Mann in Ruhe, ich warne dich ich beherrsche mehrere Nahkampftechniken. Der Mann lachte lauthals auf. „Überschätz dich nicht, Püppi!“ Er bewegte sich auf sie zu und wollte nach ihr greifen. „Pissnelke!“ Kaum hatte er das Wort ein zweites Mal ausgesprochen, da traf ihn ihr Fuß unvermittelt zwischen die Beine. Japsend und nach Luft ringend ging er zu Boden. Der zweite schwarzgekleidete Mann löste kam nun wieder nach hinten und brüllte. „Bist du nicht ganz dicht, du Trulla?“ Er stürzte sich auf sie, aber das Mädchen wich ihm gekonnt aus und beförderte ihn mit ein paar wenigen Hebelgriffen und einem Fußheber ebenfalls auf den dreckigen Boden des Mittelganges.

„Raus jetzt Herrschaften, die Polizei ist schon unterwegs!“ rief der Busfahrer nochmals energisch. Mühevoll rappelten sich die beiden schwarzgekleideten Männer nun auf. „Wir sind noch nicht miteinander fertig,“ keuchte der eine und blickte in Richtung des Mädchens. Dann nahmen sie schleunigst den Ausgang und als sie den Bus verlassen hatten alsbald auch die Beine in die Hand. Der Busfahrer verließ die Fahrerkabine und kam zu uns nach hinten. „Danke,“ sagte er zu der jungen Frau, die die beiden Männer gestoppt hatte. „Danke und Sie fahren die nächsten Wochen umsonst mit!“

„Danke,“ sagte nun auch die ältere Frau und ich nickte still. „Das was Sie da getan haben, nenne ich Zivilcourage!“ Das Mädchen lächelte nur freundlich. „Ach, was Ich heiße Leila, Meine Nationalität ist Mensch und ich war einfach zum richtigen Zeiitpunkt da. Ich glaube einfach wir sollten vielmehr zueinanderstehen und uns so was wie vorhin nicht einfach schweigend gefallen lassen!“

© Hansjürgen Katzer, September 2020

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