Der Katzenfreund

Der Katzenfreund

Die Oktobernacht war kühl und er war aus der Fabrikhalle getreten um eine Zigarette zu rauchen. Das alte Zippo Feuerzeug erhellte für einen kurzen Augenblick die mondhelle Nacht und er blies bald darauf den Rauch seiner selbstgedrehten Zigarette in den sternenklaren Nachthimmel.

Ein Blick auf die Armbanduhr mit den grünen Leuchtziffern zeigte kurz vor drei Uhr an. Noch drei Stunden und ein wohlverdienter Feierabend würde diese Arbeitswoche beenden und ein langes Wochenende einleiten. Seit Mary ihn verlassen hatte, waren ihm diese langen Wochenenden eigentlich ein Greuel, aber er spürte dass er mal eine Pause brauchte und so hatte er diesmal die Frage des Schichtführers verneint, der ihn gefragt hatte, ob er am Wochenende Überstunden machen könne.

Stattdessen würde er vielleicht ins Kino gehen, oder sich ein paar Bier im Pub gönnen, so wie früher. Plötzlich schmiegte sich etwas an sein Bein, rieb sich daran entlang. Erschrocken wich er fort, dreht sich um und sah einer schemenhaften Katze nach, die nun ebenfalls erschrocken das Weite suchte.

„Eine Katze“ – Er lächelte, schnalzte die Zunge, lockte sie: „Miez, Miez!“ Die Katze reagierte, drehte sich zögernd um blieb stehen. „Komm Miez, Miez“. Er war in die Knie gesunken und lockte sie. Die Katze kam schleichend näher und als er wieder nach ihr rief, legte sie augenblicklich den letzten Rest an Scheu ab und stürmte auf ihn zu. Er streichelte ihren Kopf, sie gurrte wohlig, beinah wie es Tauben tun würden. 

„Feine, gute Katze“, seine Hand fuhr durch das weiche, schwarze Fell des neuen Freundes. Sie schien noch nicht alt zu sein und hatte vier weiße Pfoten. „So das reicht und jetzt lauf nach Hause und fang dir eine Maus, ich muss zurück an die Arbeit!“ Er stand nun wieder aufrecht nahm einen letzten Zug, inhalierte den Rauch des Tabaks noch einmal tief ein, schnippte die Kippe auf den Boden, trat sie unter einem seiner derben Sicherheitsschuhe aus und ging zurück in die Fabrikhalle. Im Türrahmen drehte er sich noch einmal um, die Katze war verschwunden.

Eine Stunde später kam einer seiner Kollegen zu ihm. „Herb und Steve haben eine Katze gefangen, schrie ihm der Kollege entgegen. Herb hat sie ziemlich in die Mangel genommen!" Er bat den Kollegen sich kurz um die Maschine zu kümmern, eilte den langen Gang entlang trat aus der Tür.

Herb hatte die Katze unter einem großen Plastikeimer gefangen, sie miaute kläglich. „Lass sie raus!“ Seine Stimme klang fordernd und wütend. „Lass die Katze frei, oder ich polier dir die Fresse“. Er hatte noch nie soviel Verachtung für Herb gespürt . Herb lachte. „Die Pussy, ist genau die richtige Spielgefährtin meine Schäferhunde!"  

 „Lass die Katze raus!“ Herb spuckte verächtlich auf den Boden. „Dann hol sie dir doch!“ Er zögerte, spürte wie die Wut weiter in ihm aufstieg, Der feiste Herb, Steve der Schichtführer, das würde kein gutes Ende nehmen – Aber es gab kein zurück. Er sprang Herb entgegen, versetzte ihm einen Schwinger in die Magendgegend. Herb taumelte einen kurzen Moment. Herb hatte Bärenkräfte packte ihn nun mit seinen Riesenpranken, verpasste ihm einige kurze Haken. 

 Die Kollegen waren nun auf den Hof gekommen, feuerten die beiden Kontrahenten an. Wieder hatte Herb ihm einen Schwinger verpasst der sich gewaschen hatte. Er spürte das Blut in seinem Mund. Wieder und wieder spürte er Herbs Fäuste, bis er zu Boden sank. Herb spuckte auf ihn. „Reicht das Katzenfreund?" Steve der Schichtführer schickte die Kollegen zurück an die Arbeit. Dann wandte er sich an ihn, der immer noch am Boden lag. „Und du packst deine Sachen und verschwindest von hier, für Schläger ist hier kein Platz und nimm deine Scheißkatze mit!" Er lies die Katze frei. „Wenn das Vieh hier noch einmal auftaucht, ist sie mausetot!" 

Als er vor der Fabrik stand, arbeitslos und gehörig durchgeprügelt, fühlte er sich nicht schlechter als sonst und als die schwarze Katze mit den vier weißen Pfoten plötzlich auftauchte, ihm miauend entgegenlief wusste er, das würde ein schönes Wochenende werden. 

 „Komm mit Mieze, es geht nach Hause!"


© Hansjürgen Katzer Oktober 2011




Foto: Hansjürgen Katzer






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