Ein Mann geht durch den Regen Kapitel II.
 
 
Kapitel II.
 
Es war der zwanzigste April, als er sich auf den Weg machte. Mutlos war er, weil ihn schon seit Tagen Rücken- und Knieschmerzen plagten. Aber er wollte diese Reise trotz all der verhandenen Probleme und Hindernisse beginnen. Zuviel hatte er im Bekannten- und Freundeskreis darüber geredet, als jetzt noch den Schwanz einziehen zu wollen.

Er würde pilgern, das stand nun definitiv fest, als er am frühen Nachmittag, nach einem kurzen Tag im Büro, das Haus verschloss, den Schlüssel bei einer Nachbarin abgab und sich kurz darauf mit viel zu viel Gewicht und einem vollbeladenen Rucksack auf den Weg zum örtlichen Bahnhof machte.

Die Zug war pünktlich und mit Bedacht hatte er sogar einen Zug früher gewählt. So konnte vermutlich nicht mehr viel passieren, auf dem Weg zur vierzig Kilometer entfernten Großstadt, von wo aus ihn ein Flixbus, zuerst nach Amsterdam und später dann bis Paris bringen würde.

Aber leider kann es doch zu Komplikationen. Gut zwanzig Kilometer vor dem Ziel stoppte der Zug an einem Dorfbahnhof und per Durchsage wurde den Fahrgästen lapidar mitgeteilt, das es einen Unfall auf der Strecke gegeben hatte und das die Strecke nun bis zwanzig Uhr gesperrt sei. Es würde aber ein Schienersatzverkehr eingerichtet werden und man könne in den nächsten zwanzig Minuten mit einem Ersatzbus rechnen, der die Fahrgäste zum gewünschten Zielort bringen würde.

Er haßte Komplikationen. Alles Unvorhersehbare und Unplanbare in seinem Leben machte ihm Angst. Er wartete und wartete und als nach vierzig Minuten immer noch kein Bus aufgetaucht war, wurde er zusehends unruhiger. Er schimpfte auf diese verdammte Bahn, die ihm nun zum wiederholten Mal einen Strich durch die Rechnung gemachte hatte, schwor sich zumindestens sich zu beschweren und sich nie wieder den Luxus einer Bahncard zu leisten.

Er prüfte die Optionen, rief seine Schwester an, die in der Nähe wohnte, doch keiner meldete sich. "Taxi? Ach was, das würde viel zu lange dauern!" In seiner Not, rief er nun eine alte Freundin an, mit der er jahrelang nicht mehr geredet hatte und die ihm vor langer Vorzeit, mal unendlich viel bedeutet hatte, die ihn aber später auch maßlos enttäuscht hatte.

Eine Stimme meldete sich am anderen Ende der Leitung. Sie erkannte seine Stimme und sekundenlang hing eisiges Schweigen in der Luft. "Was willst du?" Er schilderte ihr kurz die Situation und sie war nach kurzen Überlegen tatsächlich bereit ihn abzuholen und zum Bahnhof zu bringen, so das er doch noch den Bus nach Amsterdam erwischen würde. Er ging ihr entgegen, wusste zwar gar nicht, was für ein Auto sie fuhr. Aber sie würde ihn schon erkennen.

Sie erkannte ihn wirklich auf Anhieb, wendete den Wagen und kurze Zeit später saß er neben ihr und hustete ihr ein gequältes "Danke!" entgegen. Sie sagte nichts, trat nur ein wenig energischer auf das Gaspedal. Es schien ihr unbehaglich zu sein, seine Gegenwart ertragen zu müssen und ihm ging es genauso. Drei Jahre waren sie ein Paar gewesen und er hatte gedacht er würde ihr wirklich etwas bedeuten.

Doch dann hatte sie ihn, von einem Tag auf den anderen verlassen. Ihm nur kurz umd trocken mitgeteilt, dass sie ihn nicht mehr lieben würde. Und das war es dann gewesen und sie war fort aus seine Leben. Lange hatte er daran zu knabbern gehabt, hatte kurz überlegt, ob ein Leben ohne sie überhaupt einen Sinn machen würde.

Aber dann hatte er resigniert, ihre Entscheidung akzeptiet und quasi in sich hineingefressen. Es hatte ihn auf der einen Seite verbittert und unzugänglich gemacht. Er war ein Einzelgänger geworden. Auf der anderen Seite hatte er die Stunden, Tage, Monate und Jahre mit ihr aber immer noch wie eine Art Leitbild vor Augen. Nach einer halben Stunde waren sie am Ziel, das Schweigen zwischen ihnen hatte während, der ganzen Fahrt angedauert. Er nickte ihr zu und erneut druckste er ein gequältes "Dankeschön" hervor. "Es tut mir leid!" Ihre Stimme war auf einmal da und sie war immer noch weich und zärtlich und melde dich mal, von deiner Pilgerreise. Auf diese Worte hatte er nun jahrelang gewartet und sie fühlten sich wie ein Regenguss an, der über seine lang verdorrte Herzenswüste zog. Er nickte, stieg aus, drehte sich nicht um und sie fuhr fort.

Er hatte noch zehn Minuten Zeit, bis der Flixbus kommen sollte. Er kaufte sich eine Zeitung und eine Dose Bier, setzte sich auf eine Bank und wartete. Die Zeit verstrich langsam, der Bus hatte bereits eine Viertelstunde Verspätung. Nach einer weiteren halben Stunde fragte er an einer Verkaufstelle nach und eine beleiibte Frau teilte ihn auf Nachfrage mit, dass der Bus Reichtung Amstedam auf jeden Fall noch kommen würde. Er wollte ihren Worten keinen Glauben schenken. Irgendwie stand dieser ganze Tag unter keinem guten Stern. Als er schon aufgeben wollte und sich entschlosssen hatte, sich für die Nacht ein Hotelzimmer zu nehmen, tauchte der Bus dann doch, wie aus dem Nichts aus einer Seitenstraße auf.

Der Fahrer entschuldigte sich mehrfach auf englisch, mit starken osteuropäischem Akzent und prüfte die Fahrscheine. Zehn Minuten später ging die Fahrt dann tatsächlich los. 240 Kilometer lagen nun vor ihnen. Eine Fahrt, die sich in gut drei Stunden bewerkstelligen lassen sollte.

Der Bus war ziemlich leer, vorme saßen zwei junge Frauen, in der Mitte des Busses eine weitere junge Frau und ganz hinten saß er und beobachtetet das Geschehen.

In Amsterdam musste er gut zwei Stunden warten. Die Gegend erschien ziemlich zwielichtig und er hatte wenig Lust sich von der erleuchteten Straße wo sich die Haltestation der Busse befand wegzubewegen. Aber seine prallgefüllte Blase ließ ihn sich dann doch auf den Weg zum Bahnhof machen.
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