Ein Mann geht duch den Regen Kapitel III.
Kapitel III.

Die Nacht war kurz gewesen, als er sich am 22. April auf den Weg machte. Der Ire hatte die ganze Nacht geschnarcht, so das er kaum eine Stunde zusammenhängenden Schlaf bekommen hatte. Er hatte sich in der Nacht für die Route Napoleon entschieden, also würde es über die Berge gehen. Das spärliche Frühstück bestand aus etwas Müsli, dünnem Kaffee und etwas Toast mit Butter und Marmelade. Der Brasilianer begleitete ihn ein Stück des Weges und an der Brücke über die Nive machten sie ein paar Fotos für die Annalen. Er fühlte sich nicht wirklich gut. Zu wenig Schlaf und auch die Schmerzen in Knie und Rücken waren wieder deutlich spürbar. Zudem war die Last des Rucksacks recht schnell zu merken gewesen und schnitt sich tief in das Fleisch seines Rückens. Mehrfach setzte er den Rucksack ab, trank etwas Wasser und aß von seinen Vorräten.

Nach einer weiteren Stunde war er dann völlig außer Atem, japste nach Luft und als er vor der kleinen privaten Albergue in Huntto stand, hätte er am liebsten einen Rückzieher gemacht, hätte ein Taxi kommen lassen und umgekehren wollen.

"Ich schaffe das nicht" - ging es ihm immer wieder durch den Kopf. Selbst Hape Kerling, der Komiker, der ihn durch sein Buch "Ich bin dann mal weg", erst auf die Idee zu dieser Pilgerreise gebracht hatte, war nicht so früh am Berg gescheitert. Mit wackeligen Beinen und rasendem Puls ging es Meter für Meter auf den steilen Rampen des Weges weiter.

Gegen elf Uhr Mittags hatte er die private Herberge in Orisson erreicht. Er fragte freundlich nach, ob er hier ein Bett für die Nacht bekommen könne, da es ihm nicht gut ging. Der Besitzer zuckte lapidar mit den Schultern und fragte ob er gebucht hätte. "Nein, das hatte er natürlich nicht!" Na dann würde das wohl nichts werden mit dem Bett und dem Schlafplatz, wurde ihm deutlich mitgeteilt. Mißmutig bestellte sich ein Bier und etwas zu essen und setzte sich draußen an einen der Tische. Eine junge Französin brachte das Bier und Brot mit Käse und Salami. "Zur Not würde er auf der Terasse schlafen, aber weiter gehen, das würde nicht funktionieren

Immer mehr Pilger hatten inzwischen ihr Zwischenziel Orisson erreicht. Alles war erfüllt mit fröhlichen Stimmen und Lachen, aber einige wenige schauten auch bekümmert drein und würden ebenfalls große Probleme bekommen über die Berge zu kommen. Er hörte eine ältere Frau am Nebentisch reden. Sie hätte hier ein Bett in der Herberge von Orisson, ließ sie ihren Nachbarn wissen, aber sie fühle sich so gut und würde am liebsten bis Roncesvalles weitergehen.

Er schaute die Frau entgeistert näher an. Die Gute musste siebzig und mehr Jahre alt sein, doch sie strahlte über das ganze Gesicht, während er gerade jeden einzelnen Knochen seines malträtierten Körpers spürte und einen Brummkreisel im Kopf zu haben schien. Er trank etwas, aß ein wenig von dem Brot und ergriff die einzige Chance, die sich ihm bot. "Entschuldigung, wandte er sich an die Frau. Ich habe ihr Gespräch mitangehört und erfahren, das sie hier ein Bett reserviert haben. Ich kann nicht mehr, mein Knie macht nicht mit. Wenn sie jetzt wirklich weitergehen wollen, könnte ich dann ihren Schlafplatz hier bekommen? Ich heiße übrigens Franz."

Die Frau erklärte sich sofort bereit und als sie den Besitzer fragten, ob ein Tausch möglich sei, zeigte der sich nach kurzem Zögern auch bereit, schrieb sich seinen Namen und seine Daten auf, gab ihm anschließend den obligatorischen Pilgerstempel in den Credencial del Peregrino, verlangte 25 € für Bett, Pilgermenüe und Frühstück und so war Franz für diesen Tag gerettet. Er redete noch etwas mit der Frau, die ihm ihren Platz überlassen hatte. Sie sei dreiundsiebzig, liess sie ihn wissen, hieße Maria Scherzer und solche Berge wie hier, würden ihr nichts ausmachen. Die sei sie aus ihrer Heimat in Oberbayern durchaus gewohnt. Er bedankte sich mehrfach und als sie dann aufbrach, winkte er ihr erleichert nach und bestellte sich ein zweites Bier.

In Orisson gibt es knapp dreißig Schlafplätze in drei kleinen Zimmern, allesamt mit Etagenbetten zugestellt. Gegen vierzehn Uhr, als es bedeutend ruhiger geworden war, wurden die noch anwesenden Gäste, die hier übernachten würden auf die vorhandenen Bettpätze aufgeteilt. Er wurde in ein Sechsbettzimmer zugeteilt. drei Frauen und drei Männer sollten hier die Nacht über verbringen. Es war ihm völlig egal. Er brachte seinen Rucksack in das Zimmer, beförderte den Schlafsack ans Tageslicht und rollte ihn aus. Wieder hatte er nur die obere Häfte eines Bettes bekommen und würde wahrscheinlich eine unruhige Nacht verbringen. Aber immerhin würde er diese Nacht in Sicherheit und einem warmen Schlafsack verbringen.

Er vertrödelte den Rest des Tages auf der Terasse der Herberge, nachdem er kurz geduscht hatte. Die Aussicht war atemberaubend schön. Der Wind trieb die Wolken wie Schafherden durch die Täler. Und das Farbenspiel und die Lichteffekte ließen ihn ein paar wirklich gute Fotoaufnahmen machen. Gegen fünfzehn Uhr dreißig war der letzte Pilger aufgebrochen um den Gang über die Berge bis nach Roncesvalles zu wagen. Er würde sich sehr beilen müssen, denn noch gut siebzehn Kilometer mühsamer Weg lagen vor ihm. Ein, zwei Taxis brachten Pilgergäste für die Nacht, die dann von Orisson aus ihren Pilgergang starten würden und die Terasse füllte sich nun langsam wieder. Er redete ein wenig mit Mareijke, einer Holländerin Ende sechzig, die er schon auf der Zugfahrt von Paris nach Bayonne kurz kennengelernt hatte.

Gegen 19. 00 Uhr, gab es dann das erste Pilgermenüe des Weges. Die Suppe, der erste Gang war heiß und gut gewürzt und er nahm ausgiebig. Auch der Wein schmeckte gut. Die Konversation gestaltete sich ein wenig schwierig, doch er versuchte sich so gut wie möglich mit seinen Tischnachbarn, einem kanadischen Ehepaar, nebst bester Freundin zu unterhalten. Brian und Liza, aus Ontario, waren seit zwei Jahren Rentner und genossen es nun die Welt zu bereisen. Sie waren schon seit gut vier Wochen in Europa und hatten zuvor Deutschland, Österreich und die Schweiz bereist. Megan, die Freundin des Ehepaares war erst in Pamplona hinzugestossen. Sie war Lehrerin für Französisch und Spanisch.

Der zweite Gang bestand aus geschmorrter Hühnerbrust, Bohnen und Kartoffeln. Auch hier langte er gehörig zu. Es war eine bunte Mischung an Menschen, die sich hier an den Tischen, zum gemeinsamen Mahl versammelt hatte. Ein paar Holländer, wie er schon herausbekommen hatte, zwei weitere Deutsche, die Kanadier und eine Handvoll Koreaner oder Japaner.

Der Wein lockerte die Stimmung auf und jeder schien gute Laune zu haben. Zum Nachtisch, dem Postre gab es dann Flam, eine Art Grießpudding mit einer sehr leckeren Karamelsoße. Nach dem Essen bedankte sich der Hausherr wünschte den Pilgern einen guten Camino. Nach alter Tradition der Herberge stellte sich jeder Gast kurz vor und sagte ein, zwei Sätze zu sich.

Herr Jeong war fast sechzig und stellte sich als Lehrer vor, der seit mehr als dreißig Jahren in den Vereinigten Staaten lebte, er hatte erst vor kurzen die fünfunddreißigjährige Nyu geheiratet und zu sich nach Amerika geholt, die ihn nun mit ihrer jüngeren Schwester Sumi auf dieser Pilgerreise begleitete. Das Ziel der Reise würde wie bei den meisten anderen auch die Kathedrale von Santiago de Compostela sein.

Salme Pekkanen war dreiundsechzig Jahre alt und Finnin. Sie hatte, wie  sie mir spät am Abend erzählte, die letzten sieben Jahre ihres Lebens im Gefängnis verbracht. Unschuldig, wie sie immer wieder betonte. Ihr Vergehen sei gewesen sich gegen ihren gewalttätigen Mann zu wehren, der sie immer wieder geschlagen hatte. Leider wäre die Gegenwehr wohl ein wenig zu heftig gewesen und nach einem Schlag mit dem Schürrhaken des Ofens hatte sich der wieder einmal betrunkene Gatte mit gespaltenem Schädel auf dem Boden des kleinen Hauses wiedergefunden. Sie würde das alles sehr bereuen, sagte Salme unter Tränen. Aber es ließe sich nun mal nicht mehr ändern, jetzt wolle sie erst einmal wieder ihren Lebensmut zurückgewinnen und diesen Weg gehen.

Spannend schien auch die Geschichte von Maud und Jerry aus New York. Sie waren auch schon weit über fünfzig und hatten sich auf der Krebsstation eines New Yorker Krankenhauses kennen- und liebengelernt. Nun waren sie als geheilt entlassen worden, hatten geheiratet und sich geschworen aus Dankbarkeit diesen heiligen Weg zu gehen. Einer nach dem anderen stellte sich nun kurz vor. Die einen wollten nur die spanische Landschaft und Kultur geniessen, andere machten den Weg um spirituell und intellektuell weiter zu kommen. Wieder andere glaubten wirklich mit diesem Bußgang ihrer Sünden entledig zu werden.

Als er an die Reihe kam, wusste er kaum was er sagen sollte. "My Name is Franz, I come from Germany, and I will go this Way, to found an other Life for me!" Ja, ein anderes Leben, das war es wirklich was er dringend suchte und brauchte.

Nach dem Essen saß man noch ein wenig zusammen und übte weiter Small Talk, doch noch vor zweiundzwanzig Uhr waren die meisten dann in ihre kargen Betten geklettert und hatten sich in ihre Schlafsäcke gemunmelt. Franz schlief zusammen mit Mareijke der Niederländerin und Salme der Finnin im Zimmer. Hinzu hatte sich noch Hannah, eine fast siebzigjährige Kalifornierin gesellt, die gleich nachdem sie eingeschlafen war, in ein imposantes Schnarchen fiel, das man dieser kleinen und zierlichen Frau niemals zugetraut hätte. Weitere Zimmergenossen waren in dieser Nacht Jean-Paul aus Belgien und ein Jerzey ein Mitvierziger aus Polen, der ebenfalls gleich nachdem er eingeschlafen war in ein pfeifenendes Schnarchen fiel. So wurde es für Franz wieder eine lange Nacht, er lag da, grübbelte über vieles nach, wälzte sich von einer Seite zur andermn und fiel dann in einen kurzen, nicht allzu tiefen Schlaf.

Am nächsten Morgen standen die meisten um kurz nach sechs auf. Die Finnin murmelte etwas und wälzte sich dann aus der Oberetage ihres Hochbettes. Nur mit Mühe konnte sie sich beim Abstieg auf der Leiter des Bettes halten, welches unter ihrem Gewicht ächzte und stöhnte. Auf halber Strecke ließ sie einem mächtigen Furz, murmelte wieder etwas und entschwand aus dem Zimmer. Jerzey, Pole war schon angezogen und gewaschen und packte bereits seinen Rucksack.

Franz versuchte sich zu sammeln. Alles tat weh, der Rücken, die Beine, die Knie und auch die Füße. Nach fünf Minuten hatte er es geschafft festen Boden unter den Füßen zu haben. Nach weiteren fünf Minuten hatte er die Duschen erreicht. Leider wurde das Waasser nicht wirklich warm und so bevorzugte er eine reine Katzenwäsche, die sich häuptsächlich auf das Haare waschen bezog. Nach einer weiteren Viertelstunde stand er wieder vor dem Bett und musste mit großem Entsetzen feststellen, das er seinen Brustbeutel mit allen Wertsachen in der Dusche hatte hängen lassen. Er stand kurz vor einem Herzinfarkt. Aber als er zur Dusche zurückgekehrt war hing der Brustbeutel an dem Haken, an den er ihn aufgehängt hatte. "Das war das erste und einzige Mal, sagte er sich, ab nun würde er diesen Beutel selbst in die Dusche mitnehmen.

Die Finnin hatte fertig gepackt und der Belgier war gerade aufgestanden. Franz begann sich anzuziehen, danach versuchte er seinen Schlafsack in die vorgesehene Hülle zu befördern, was ihm nur äußerst mühsam gelang. Nach zwanzig Minuten hatte er alle Utensilien wieder im Rucksack verstaut. Nun konnte er frühstücken und dann starten. Ein Blick auf das Handy verriet ihm, das es schon fast halb acht war. Der Kaffee schmeckte diesmal deutlich besser und wieder gab es geröstetes Weißbrot, das er dick mit Mantequilla, also mit guter Butter und Marmelade bestrich. Auf einen qangebotenen Orangensaft verzichtete er, kaufte sich stattdessen zwei kleine Wasserflaschen, die er in seinem Rucksack verstaute.

Kurz nach sieben brach er auf. Immer noch war er ziemlich wackelig auf den Beinen, aber nach dem ersten Kilometer wusste er, das er es heute schaffen würde, zumindest bis nach Roncesvalles zu gelangen. Es wurde nebelig und die Luftfeuchtigkeit war so hoch, das er bei jedem Atmen, kleine Wolkenschleier aushauchte, aber es ging weiter und weiter und das lag vor allen daran, das es weniger steile Rampen gab. Dann fing es auch noch leicht an zu nieseln. Er sah ein paar Wildpferde, die alsbald wieder in den Nebelbänken verschwanden und bei der Mutter Gottes, der sogenannten La Virgen de Biakorri, schoss es ihm glühend heiß durch den Kopf.

"Wo habe ich meine Hüfttasche gelassen?" Er konnte es nicht fassen, die kleine Tasche in der er einige Utensilien für den Weg verstaut hatte war fort. Er überlegte kurz und plötzlich kam ihm die siedendheiße Erkenntnis, das er sie auf die Fensterbank gelegt hatte, kurz bevor er von Orisson aufgebrochen war.

Nein, er würde jetzt nicht wieder zurückgehen. Er überlegte kurz was sich alles in der Tasche befunden hatte. Da war zum einen, ein Teil seiner Tabletten, eher unwichtig. Die Taschenlampe, auch zu verschmerzen. Das Ladekabel seines Handys wog da schon schwerer. Sicherheitsnadeln, Schnürschenkel, Kugelschreiber. "Der Weg bedeutet manchen Verlust hatte er irdgendwo gelesen. Dann doch lieber gleich zu Beginn, oder?" Pötzlich musste er lachen. Und lachend ging er weiter, wurde bald von einem Deutschen überholt, mit dem er ein paar freundliche Worte wechselte. Gegen elf Uhr hatte er den Col de Bentarte erreicht, wo sich der Rolandbrunnen befand. Hier trank er ausgiebig und aß einen Müsliriegel, das Wetter wurde nun besser und die Sonne blinzelte ein, zweimal zwischen den Wolken hindurch. Nun befand er sich auf fast 1400 Meter über dem Meeresspiegel und hatte Spanien erreicht. Einige Läufer kamen ihm entgegen und er schaute ihnen fasziniert nach. Vor sechs Jahren hatte er selber noch Halbmarathonstrecken im flachen Gelände absolviert, aber das hier oben, das war eine ganz andere Dimension.

Kurz bevor er den Gipfel des Col Lepoeder erreicht hatte, überholte ihn ein brasilianische Paar, das ebenfalls in der Albergue in Orisson übernachtet hatte. Matheus war den Weg schon einmal vor sechs Jahren gegangen und wollte ihn nun noch einmal gemeinsam mit seiner Ehefrau absolvieren. Die beiden grüßen freundlich, man wünschte sich gegensetig einen guten Weg und dann zogen sie mit raschen Schritten an ihm vorbei. Hier oben lag sogar noch ein wenig Schee in den geschützteren Lagen und er machte ein paar Fotos. An einer Schutzhütte hatte er die Brasilianer wieder im Blick und heftete sich an ihre Fersen. Elf Kilometer bewältigte Strecke zeigte der Schrittzähler seines Handys an. Am Gipfel blies ihm eine frische Brise um die Ohren und wieder setze Nieselregen ein, auch meldete sich das Knie mit stärker werdendem Schmerzen zurück. Der Abstieg war lang und nach zwei Kilometern konnte man zum ersten mal das Kloster von Roncesvalle erblicken, das im Tal lag, welches aber noch weit entfernt schien.

Gegen dreizehn Uhr hatte er das Kloster in Roncesvalles endlich erreicht. Er trank etwas und aß zwei Müsliriegel und sah sich etwas um. Alt und ehrwürdig, hatte das Kloster sicher schon bessere Zeiten erlebt. Aber das war jetzt egal. Er hatte das Ziel des Tages bewältigt und wartete nun entspannt mit anderen Pilgern im Innenhof auf Einlass. Er hatte gelesen, das man vor zwei Jahren einen neuen Schlafsaal gebaut hatte und dass man auch ansonsten viel in die Infrastruktur investiert hatte. Aber hier vom Innenhof aus, sah das Kloster doch ein wenig schäbig aus. Langsam aber stetig trafen weitere Pilger ein. Mareijke die Holländerin trudelte ein halbe Stunde nach seiner Ankunft mit ein paar Spaniern ein und auch Salme, die Finnin konnte er alsbald begrüßen. Ein deutsche Studentin erregte ein wenig seine Aufmerksamkeit, die ihn fragte, ob er Blasenpflaster dabeihabe. Bereitwillig überließ er ihr seine Compeed-Vorräte, die sie ihm nachdem sie ein passendes Pflaster gefunden hatte mit einem Lächeln zurückgab.

Um Punkt vierzehn Uhr wurde den müden Pilgern Einlass gewährt und sofort bildete sich eine Schlange vor der Anmeldung. Die Übernachtung pro Bett wurde mit 12 € veranschlagt. Wer ein Pilgermenüe am Abend einnehmen wollte, wurde noch einmal mit zehn € zur Kasse gebeten, wogegen das Frühstzück mit 3 € preislich eher zu vernachlässigen war. Als Franz an der Reihe war hatte er sich für die Pauschalversorgung entschieden. Er zahlte fünfundzwanzig €, ließ sich den Pilgerstempel in den Pilgerpass drücken und war für den Moment froh auch für die zweite Nacht vernünftig untergekommen zu sein.

Die Albergue selber entpuppte sich als hell und sauber und so gesehen als wahrer Glücksgriff. Jeweils zwei Etagenbetten waren jeweils durch Holzwände abgetrennt worden. Nachdem er sein Bett gefunden hatte, ging Franz zum duschen. Diesmal achtete er auch ganz besonders darauf, Brustbeutel und Portemonnaie wieder an den Mann zu bringen. Nach dem duschen, musste Wäsche gewaschen werden. Socken, T-Shirt, Unterhose und Wanderhose wurden eingeseift und per Handwäsche so gut es ging durchgewalkt. Über eine viertel Stunde lang schrubbte er mit reichlich Enthusiasmus an den Kleidungsstücken herum, hängte die Wäsche dann zum Trocknen auf einem der Wäscheständer im Flur des Küchen, Wasch- und Bibliothektraktes auf. Hier traf er erneut auf Katheen und verabredete mit ihr, gemeinsam den abendlichen Pilgersegen zu besuchen.


Inzwischen waren die drei Schlafplätze neben und über Franz Schlafplatz auch belegt. Im Etagenbett neben ihm hatten zwei Franzosen Quartier bezogen, einer der beiden ließ sich von einem weiteren Franzosen, die Beinmuskulalutur massieren. Über Franz hatte ein rothaariger Däne namens Jasper sein Bett für die Nacht gefunden. Auf Franz Nachfrage lieh einer der Franzosen ihm sein Ladekabel für das Handy.

Jean-Pierre berichtete darüber, das er von Le Puy aus auf der Via Podienis gestartet war und das er inzwischen den dreißigsten Tag unterwegs sei und annäherend achthundert Kilometer erwandert habe. Nach zwei Wochen sei er langsam zur Ruhe gekomen und vieles was ihn berufsmäßig und familiar belqasset habe sei inzwischen gänglich von ihm abgefallen.


Die Nacht war angenehm, zwar scharchte der jünge Däne im Bett über ihm ein wenig. Aber das war ihm in dieser Nacht egal. Die Knieschmerzen blieben weg. Das war jetzt erst einmal wichtiger.

Um kurz vor sieben war er wieder startklar, machte sich auf den Weg zur Casa Sabina, wo er sein spärliches Frühstück einnahm. Als er aus der Casa heraustrat traf er auf Kathleen und redete kurz mit ihr. Das Wetter an diesem Morgen versprach Regen. Er hatte vor es bis Zubiri zu schaffen. Am Ortsausgang verabschiedete ein Schild den Pilger, Santiago de Compostela nur noch 790 Kilometer war dort zu lesen. Seine Knieschmerzen waren an diesem Morgen deutlich besser geworden, die kurze Massage von Jean-Pierre und dessen Arnikasalbe hatten anscheinend ein kleines Wunder bewirkt. Er ging schnell, die ersten Kiliometer, machte in Burguete eine kurze Pause, trank schwarzen Kaffee und aß dazu ein  paar fetttriefende Churros. Als er die kleine Bar verließ begann es wirklich zu regnen und er bekam nur mit Hilfe einer freundlichen Koreanerin, den Regenponcho über sich und den Rucksack gezogen und konnte sich so einigermaßen geschützt dem morgentlichen Nass entgegenstellen. Bis Espinal wanderte er wortlos und mürrisch durch den stärker werdenen Regen. 

Bizkarreta

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