Montagmorgen ...

Montagmorgen, kurz vor sechs

Sie hatten es getan diese Wahnsinnigen. Die Erde bebte kurz auf auch bei uns etwa zwanzig Kilometer vom Unglücksort entfernt und jetzt liefen im Minutentakt die Nachrichten über den Ticker bei NTV und den anderen großen Nachrichtensendern. Eine entführte Airbus – Maschine hatte heute Morgen gegen fünf Uhr 37 ihren Kurs geändert und war etwa sechs Minuten später in den Reaktorblock des Kernkraftwerkes Emsland bei Lingen eingeschlagen, so eine gehetzt wirkende Nachrichtensprecherin.

Über die Schadenslage war noch nichts Genaues bekannt, aber es könnten Leckagen in den Kühlmittelleitungen des Primärkreislaufs entstanden sein und somit eine unkontrollierte Kernschmelze ausgelöst worden sein. Am Katastrophenort würden schwarze Rauchsäulen kilometerhoch in den Himmel steigen.

06 Uhr 03 die Sirenen an der nahegelegen Albert-Schweitzer Gesamtschule lösen Katastrophenalarm aus. Es läuft mir kalt den Rücken herunter beim Heulen der Signalhörner. Ein Spezialpionierbataillon der Bundeswehr soll sich in Bewegung gesetzt haben um den Rettungskräften vor Ort Hilfestellung zu leisten. Das Bundesamt für Strahlenschutz empfiehlt den Aufenthalt im Freien zu vermeiden.

Angst, ich habe entsetzliche Angst. Panikattacken lassen mir fast schwarz vor Augen werden. Die Bedrohung war bekannt, alle haben es gewusst, das so etwas irgendwann passieren könnte. Die Bedrohung war real und angekündigt von mehreren Terroristengruppen und jetzt hatten wir den Salat. Das was nie hätte passieren dürfen, es scheint nun doch passiert zu sein! Acht Jahre hätte dieser verdammte Reaktor in Lingen noch am Netz bleiben sollen um dann als einer der drei letzten, das endgültige Aus der Atomkraftnutzung in Deutschland einzuläuten.

Jetzt war vielleicht alles zu spät, die Büchse der Pandora war geöffnet und ließ sich nicht wieder verschließen. Wehmütig dachte ich an die vielen Stunden, die wir gegen diesen Wahnsinn demonstriert hatten, Harrisburg – Tschnernobyl – Fukuschima und jetzt doch wir, obwohl wir Deutschen Einsicht gezeigt hatten und aus diesem ganzen Wahnsinn halbwegs sauber ausgestiegen waren. Warum die Demos in Gorleben, Bilbis, Grohnde und Brokdorf, wenn jetzt doch alles verloren war.

06 Uhr 23 draußen geht die Sonne auf an diesem 21. April und meine Hoffnung sinkt das alles gut werden wird in diesem Land.


© Hansjürgen Katzer, November 2011




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