Ein Mann geht durch den Regen
Kapitel 1

Es ist April. Ein kalter, dunkler Morgen in diesem lächerlichen Monat, der nie weiß, ob er zu Trübsal verleiten soll, weil er sich nicht entscheiden kann, wie lange seine Regen- und Windspiele andauern wollen, dann aber doch wieder Anlaß zur Hoffnung auf einen vernünftigen Frühling gibt.

Er war wie immer um kurz nach fünf aufgestanden, saß in der Küche und starrte abwechselend in den Garten, in dem die Vögel gerade ihr morgentliches Gezwitscher angestimmt hatten, und wo die Dämmerung, ganz langsam ihren Kampf gegen den anbrechenden Tag aufgeben musste und dann wieder auf dem Bildschirm seines Lap-Tops, wo auf dem Bildschirm das Foto eines rückwärtsgewandten Mannes zu sehen war, der mit einem roten Poncho durch einen Eukalyptuswäldchen ging.

Ein Mann geht durch den Regen, so hat der diesem Bild einen Titel gegeben. Sie hatte dieses Bild geschossen. Damals an dem Tag als er sie kennengelernt hatte.

Kurz vorher hatte er zum ersten Mal in ihre warmen, hellblauen Augen geschaut, als er ihr blutendes Knie verpflasterte hatte, das sie sich zugezogen hatte, als sie sich mit einem tollkühnen Sprung, vor einem heranrasenden Radfahrer hatte retten müssen. Der Jakobsweg birgt Gefahren und die Radfahrer sind eine der größeren Gefahrenquellen, wenn sie fast lautlos heranfahren, um einen dann mit deinem laut gemurmelten "Buen Camino", daraufhinzuweisen, dass man nicht allein auf dem Weg sei.

Er hatte sie also verpflastert. Sie hatte sich bedankt auf englisch, ein wenig gebrochen und er hatte genickt, seine Sachen zusammengepackt um sich wieder auf den Weg zu machen um das Ziel Santiago zu erreichen. Plötzlich hatte sie ihm etwas nachgerufen und als er sich zu ihr umdrehte, hatte sie dieses Foto geschossen "Ein Mann geht durch den Regen". Und sie war bei ihm geblieben, bis heute.

Der Rollstuhl, in dem er saß quieschte leise, als er sich zur Anrichte bewegte um die Kaffeemaschine einzuschalten. Ja, sie war tatsächlich bei ihm geblieben und als er an sich heruntersah, lief es ihm wieder kalt den Rücken herunter. Und er hatte wieder diesen ohrenbetäubenden Lärm vor Augen, diesen Knall, die Explosion, diese Schreie, die Bilder von Blut, Chaos und zerfetzten Leibern.

"Guten Morgen", sie riss ihm aus seinen negativen Gedanken, gab ihm einen zärtlichen Kuss. "Training heute?" Er nickte, seit einem Jahr trainierte er mit seinem Sportrollstuhl am Berg. Machte dazu Hantel- und Kraftübungen und versuchte sich mit den Beinprothesen auf gerader Strecke fortzubewegen, was ihm immer besser gelang.

"Du weißt, Schatz nur noch drei Wochen, dann geht es los!" Er nickte.

 
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